Zewa Aktiv-Wischtuch
“Mit einem Wisch ist alles weg.” Wenn sich ein Markenslogan dermassen fest einprägt, und das obwohl ich das Produkt noch nie gekauft habe, dann haben die Branding-Experten irgendwas richtig gemacht. Nur vielleicht das Falsche
Jedenfalls benutze ich – wie viele Menschen – Küchenpapier in meinem Haushalt, von der Rolle, auch schon mal gern als Endlosserviette bezeichnet. Die häufigste Anwendung dabei ist für mich das Reinigen von Oberflächen wie Küchenarbeitsplatte, Küchenschranktür, Esstisch, oder Fenster entdrecken (wörtlich gemeint, nach dem Entdrecken kommt dann das eigentliche Putzen).
Als dann bei den Konsumgöttinnen Testerinnen für das neue Zewa Aktiv-Wischtuch gesucht wurden, habe ich mich mal beworben – gebrauchen kann man sowas schliesslich immer.

Gewisse Zweifel, wie sinnvoll das Ganze ist, hatte ich dabei schon.
Der Hersteller dazu:
DIE Weltneuheit: das erste Papierwischtuch mit integriertem Allzweckreiniger. Das neue Zewa Aktiv-Wisch-Tuch macht Putzen so einfach wie noch nie! Einfach anfeuchten und loswischen – der Reiniger aktiviert sich beim Kontakt mit Wasser selbst. Es entsteht eine leichte Schaumbildung, die ideal gegen klebrigen und fettigen Schmutz wirkt.
Weil die Kundin an sich zu dusselig ist das hochkomplexe technologische Produkt zu verstehen und korrekt einzusetzen, wird auf der Verpackung nochmal gezeigt wie das Tuch korrekt zu verwenden ist:

Bevor ich zur Anwendung im realen Leben komme, noch der unvermeidliche Blick auf die Inhaltsstoffe.

Die blau eingefärbten Tücher gibts im 40er-Karton zur Einzelentnahme, und sie haben einen ganz typischen Geruch nach Parfum, ein klein wenig pseudoantiseptisch, mit einer Unternote von Kamillentoilettenpapier – vermutlich durch das Hexyl-Cinnamal (Hexylcinnamaldehyd), ein Aromastoff der in Kamille natürlich vorkommt, in der Kosmetik- und Parfumindustrie gern genommen (und ein deklarationspflichtiges Kontaktallergen).
Beim Duftstoff geht es los, endet es aber nicht – ich mag es nicht wenn meine Umgebung zwangsbeduftet wird, schon weil ich gegen verschiedene natürliche und synthetische Duftstoffe allergisch bin. Womit wir zur Praxistauglichkeit kämen.
Um normal mal irgendwas wegzuwischen was gekleckert hat, ist so ein vergleichsweise teures Tuch viel zu schade – um nicht zu sagen zu teuer. Für den Verwendungszweck fällt es also schon mal aus. Ich habe demzufolge auch nicht versucht ganze Eier ohne Schale damit von meinem Küchentresen zu wischen (zumal ich Eier trennen beherrsche), und ich gehöre auch nicht zu den (im Forum anscheinend häufiger auftretenden) Muttis die mal eben Babybrei rund ums Hochstühlchen ganz toll hygienisch wegwischen müssen.
Wenn ich meinen Tisch im Wohnzimmer abwischen will, muss ich das Tuch am Wasserhahn anfeuchten, oder mir Eimer / Schale mit Wasser mitnehmen um das vor Ort zu tun und dann auszuwringen. Das ist gegenüber Küchenpapier von der Rolle und ggf. selbst verdünntem Allzweckreiniger in der Sprühflasche nun absolut kein Selektionsvorteil, im Gegenteil. Da ich das Tensid auf dem Tuch und nicht gezielt auf dem Fleck habe, muss ich ggf. mehr Tücher verwenden um dieselbe Reinigungswirkung zu erzielen, und will ich trocken nachwischen, greife ich sowieso entweder zum Küchenhandtuch oder dem Papier von der Rolle. Der Sinn eines zusätzlichen Produkts im Haushalt erschliesst sich mir hier nicht.
Die Reinigungswirkung des angepriesenen Schaums ist eher mässig, bis es schäumt muss man schon fleissig wässern und kneten, und hat dabei auch gleich wahlweise nasse Finger, oder muss Handschuhe benutzen, wenn man den Tensid-Parfum-Blend nicht auf der eigenen Haut haben möchte. Das ist für mich schlicht nicht praktikabel.
Die Tücher selbst sind dünner als handelsübliches Küchenpapier, reissen recht schnell, und bei einem prachtvollen Rotwein- oder Fettfleck kann man schnell mal 3-4 Stück brauchen bis man alles weg hat – und hat dann im Zweifel noch hübsche Schlieren vom Putzmittel auf der Oberfläche, die man extra wegschrubben kann. Auch hier gilt, gezielt der passende Reiniger (wie Allzweckreiniger oder Glasreiniger oder eben Fettlöser) aus einer Sprühflasche aufgetragen und mit Standard-Tuch weggewischt erledigt den Job besser, zuverlässiger, preiswerter.
Die blaue Farbe, die wohl ‘frisch und sauber’ suggerieren soll, gefällt mir ebenfalls nicht – auf dem weissen Tuch sehe ich recht genau was ich weggewischt habe, auf dem blauen Tuch sieht alles nach grauer Pampe aus. Das Handling mit einem unförmigen Extra-Karton im Putzschrank ist ebenfalls lästig – da es sich um Karton handelt geht es nicht drum, die Feuchtigkeit vom Produkt fernzuhalten – warum dann nicht gleich auf einer “praktischen” Rolle? Der grüne Karton erinnert stark an Swiffer – hier will sich der Hersteller augenscheinlich eine andere Nische erschliessen.
Summa summarum: die Zewa-Aktiv-Wischtücher mit Putzmittel auf dem Tuch sind ein überteuertes und unnötiges Produkt, das in den meisten Haushalten absolut keinen Vorteil gegenüber den herkömmlichen Methoden des Reinigens bringt.
In: Produkttests · Schlagworte: Hygiene, Papier, Putzen, Zewa

am 22. Januar 2010 um 08:22
· Permalink
Ich danke dir für diesen offenen und ehrlichen Bericht.
Babybrei habe ich rund ums Hochstühlchen erst einmal mit der Entdreckermethode entfernt, um nach Entfernung des Verursachers aus der Küche alles “normal” zu putzen.
Ein Produkt, dass die Welt nicht braucht
am 22. Januar 2010 um 13:01
· Permalink
Mein Fazit fällt ähnlich aus: http://hamburgkocht.blogspot.com/2010/01/produkttest-zewa-aktiv-wischtuch.html