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Sin City

Schon die ersten Trailer verrieten, dass Sin City ein Kinoereignis der etwas anderen Art sein würde. Comic-Verfilmungen gibt es genug, und die meisten davon bleiben blasse Abziehbildchen der Vorlagen, mit dicken Special Effects und dünnen Stories und meist vielen Stars aufgepeppt.

 

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Sin City

listet eine beeindruckende Zahl von big names aus Hollywood. Nicht nur dass als Regisseure das Kult-Team Tarantino und Rodriguez zeichnen (gemeinsam mit Frank Miller, der sich das Recht auf Regie bei der Vergabe der Filmrechte vorbehalten hatte), nein, da geben sich auch sonst Stars die Hand: Mickey Rourke, Bruce Willis, Jessica Alba, Alexis Bledel, Elijah Wood, Benicio del Torre, Josh Hartnett, Michael Madsen, Rutger Hauer (den hätte ich nie erkannt) und Nick Stahl schlüpfen hier u.a. in die schwarz-weiße Haut von Gut und Böse. In mehreren umeinander gewundenen Handlungssträngen werden verschiedene von Frank Millers Comics nacherzählt, nein eigentlich nachge-bild-et.

Grandios ist die Maske von Mickey Rourke, wie überhaupt die visuelle Umsetzung dieses Comicstoffs wohl Maßstäbe für das Kino setzen dürfte. "Sechs Richtige mit Zusatzfarbe" schreibt die FAZ (Link siehe unten) zu diesem Film, der das Sehen und den Blick durch die Kamera neu erfindet.

In vielen Szenen sieht man auch ohne die Comics zu kennen die Zeichnungen bildlich vor sich, und die Methode, den schwarz/weiss gehaltenen Film nur selektiv mit einzelnen, knalligen Primärfarben zu akzentuieren, oder Details quasi negativ in weiß hervorzuheben, macht diese Technik zu einem doppelten Hingucker. Soviel zur optischen Seite…

Comicfans lassen verlauten, die Verfilmung setze die graphic novels von Frank Miller perfekt um. Das mag sein. Ich habe mich mit der Story eher schwer getan. Das liegt zum einen daran, dass die Handlung relativ vorhersehbar ist und zumindest Bruce Willis am Ende nur wieder den guten alten John McClane in anderem Gewand gibt, sehr viel mehr gestört hat mich aber der selbst für Tarantino/Rodriguez-Verhältnisse überschäumende Mahlstrom von Gewalt.

Das mag eng an der Vorlage sein, aber für mich ist auch in einer Comicverfilmung nicht klar, warum Mord und Gemetzel (auch wenn das Blut lustige weisse Strudel auf schwarzen Körpern bildet) im – für meine Begriffe – Übermaß vorkommen – von entsprechender für meine Ohren teils akustischer Gewalt unterstützt. Ich kann mir Splattermovies ansehen ohne Ekel zu empfinden, aber hier, wo kaum farbiges Blut floß, fand ich den visuellen Terror und das Zirkeln um düstere Orgien der Brutalität abstoßend.

Gewalt wird hier zum Selbstzweck, und die Storyline an sich, die sich um die düsteren Seiten der Gesellschaft, organisiertes Verbrechen, Pädophilie, Korruption, Mord windet, ist streckenweise reichlich langatmig, die Spannung wird der Hingabe an die Bildgewalt des Comics geopfert. Das ist natürlich legitim, denn es ist eine Comicverfilmung, aber für mich bleibt als Fazit, dass mich – ausser der genialen visuellen Umsetzung der Schwarzweißseiten einer gezeichneten Geschichte – an diesem Film nur noch die Maske und Muskeln von Mickey Rourke wirklich beeindruckten. Der Rest fällt eher unter B-Movie (auch das liegt vermutlich an der Vorlage, ändert aber nichts daran, dass ich es als anödend empfinde).

Visuell extrem ungewöhnlich und deswegen das Ansehen wert. Mehr aber auch nicht.

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